IPBES Arbeitsprogramm

Die vier Funktionen von IPBES

Auf ihrer zweiten Vollversammlung im Dezember 2013 in Antalya (IPBES-2) verabschiedeten die IPBES-Mitgliedsstaaten ein sehr ambitioniertes erstes Arbeitsprogramm für den Zeitraum 2014-2018 (Decision IPBES-2/5, Dokument IPBES/2/17). Es soll die vier im Busan Outcome festgelegten Funktionen von IPBES adressieren (Busan 2010):

  • Knowledge generation: IPBES soll identifizieren und priorisieren, welche wissenschaftlichen Informationen für politische Entscheidungsträger am wichtigsten sind und helfen, die Bemühungen zu katalysieren, neues Wissen zu generieren. IPBES soll ausdrücklich nicht eigenen Forschung betreiben oder finanzieren.

  • Assessments: IPBES soll globale, regionale und subregionale Berichte zum Kenntnisstand über Biodiversität und Ökosystemleistungen erarbeiten, die auf Anfragen von Regierungen der Mitgliedsstaaten oder multilateralen Umweltabkommen antworten. Anfragen von anderer Seite (z. B. von Nichtregierungsorganisationen oder wissenschaftlichen Organisationen) sind willkommen, brauchen aber die Unterstützung des Plenums. Das Plenum legt fest, zu welchen Themen und in welcher Reihenfolge die Assessments durchgeführt werden. Ein durch IPBES eingerichteter "Assessment-Katalog" (Catalogue of Assessments) bietet eine Übersicht über bereits abgeschlossene Assessments weltweit. Informationen sind über eine interaktive Internetmaske abfragbar.

  • Policy Tools: IPBES soll politische Entscheidungen und ihre Umsetzung unterstützen, indem es politikrelevante Werkzeuge und Methoden identifiziert und damit das vielfach diskutierte Problem der fehlenden Anwendbarkeit von Assessment-Ergebnissen in der Praxis beheben helfen.

  • Capacity Building: IPBES soll Notwendigkeiten zum Aufbau von Kompetenzen für die Beteiligung am IPBES-Prozess (z.B. zur Erstellung von Assessments) identifizieren und priorisieren, und für die dringendsten Maßnahmen Unterstützung bereitstellen oder zur Unterstützung aufrufen.

Den konzeptionellen Bezugspunkt für alle IPBES-Aktivitäten bietet ein ebenfalls durch IPBES-2 beschlossenes konzeptionelles Rahmenwerk (Conceptual Framework). Dieses identifiziert jene Elemente der komplexen Mensch-Natur-Beziehungen, die für die übergeordneten Ziele von IPBES besonders relevant sind. Diese sind gemeinsam mit ihren Wechselwirkungen in einer schematischen Darstellung veranschaulicht (Decision IPBES-2/4).

 

Das IPBES-Arbeitsprogramm 2014-2018

Das erste Arbeitsprogramm von IPBES umfasst vier übergeordnete Ziele (objectives), die jeweils ein Set an Unterzielen (deliverables) beinhalten:

Objective 1: Kapazitätsaufbau (capacity building) und Wissensgrundlagen

  • Zusammenführung des Bedarfs an Kapazitätsaufbau mit entsprechenden Ressourcen (deliverable 1a)
  • Aufbau von Kapazitäten, die für die Umsetzung des Arbeitsprogramms nötig sind (deliverable 1b)
  • Verfahrensregeln, Ansätze und partizipative Prozesse für das Arbeiten mit indigenen und lokalen Wissenssystemen (deliverable 1c)
  • Identifizierung prioritärer Bedarfe an Wissen und Daten für politische Entscheidungsprozesse sowie die Förderung von Bemühungen, neues Wissen zu generieren und bestehende Strukturen zu vernetzen (deliverable 1d)

Zur Umsetzung der Objetctive 1 werden drei aufgabenbezogene Arbeitsgruppen (task forces) eingerichtet, und zwar zu den Themen (a) Kapazitätsaufbau (capacity building), (b) Wissen und Daten (knowledge and data) und (c) indigenes und lokales Wissen (indigenous and local knowledge)

Objective 2: Assessments auf sub-regionaler, regionaler und globaler Ebene

  • Entwicklung eines Leitfadens (guide) zur Durchführung von Assessments und ihrer Zusammenführung auf verschiedenen Ebenen (deliverable 2a)
  • Durchführung mehrerer regionaler und subregionaler Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen (deliverable 2b)
  • Durchführung eines globalen Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen (deliverable 2c)

Objective 3: Assessments zu bestimmten Themen und methodologischen Fragen

  • Durchführung eines Assessments zu Bestäubung und Bestäubern, die mit der Nahrungsmittelproduktion assoziiert sind (deliverable 3a)
  • Durchführung von drei thematischen Assessments zu (deliverable 3b):
  • (a) Land-Degradation und Restauration (deliverable 3bi)
  • (b) Invasive gebietsfremde Arten (deliverable 3bii) und
  • (c) Nachhaltige Nutzung und Schutz von Biodiversität (deliverable 3bii)
  • Durchführung eines Assessments zu methodologischen Fragen hinsichtlich der Analyse von Szenarien und Modellierung, und daraus ableitbarer Politik-Unterstützungsinstrumente (policy tools) (deliverable 3c)
  • Durchführung eines Assessments zu methodologischen Fragen hinsichtlich verschiedener Konzeptionalisierungen der Werte (values), die Biodiversität und Natur für Menschen haben (einschließlich Ökosystemleistungen) und daraus ableitbarer Politik-Unterstützungsinstrumente (policy tools) (deliverable 3d)

Objective 4: Kommunikation und Evaluation der IPBES-Aktivitäten und -Ergebnisse

  • Erweiterung des bestehenden Katalogs relevanter Assessments (deliverable 4a)
  • Entwicklung eines Informations- und Daten-Management-Plans (deliverable 4b)
  • Erstellung eines Katalogs relevanter Politik-Unterstützungsinstrumente (policy tools) und Methoden (deliverable 4c)
  • Erstellung und Weiterentwicklung von Strategien, Produkten und Prozessen bezüglich Kommunikation, Verbreitung (outreach) und Einbeziehung (engagement) (deliverable 4d)
  • Evaluationen der Effektivität der Leitungsfunktion, Prozeduren, Methoden und Ansätze von IPBES als Beitrag zur weiteren Entwicklung der Plattform (deliverable 4e)