Schnittstellen verstehen

Wissenschaftliche Erkenntnisse für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger nutzbar zu machen, ist gerade hinsichtlich komplexer gesellschaftlicher Probleme wie dem Biodiversitätsverlust eine große Herausforderung. Wissenschafts-Politik-Schnittstellen spielen hier zunehmend eine wichtige Rolle, wobei sie einige Hürden zu überwinden haben und Antworten auf folgende Fragen finden müssen:

  • Worin liegt der Anreiz für Forschende, ihr Wissen außerhalb der Wissenschaft zu kommunizieren?
  • Wie findet man zu einer gemeinsamen Sprache und einem gemeinsamen Verständnis der Problemlage?
  • Wie bringt man verschiedene Zeitschienen zusammen, wenn die Politik eine schnelle Antwort verlangt, die Wissens-Synthese aber Zeit braucht?
  • Was ist die Rolle der Beratung im politischen Prozess?

Aufgrund solcher und anderer Herausforderungen können Prozesse an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik verschiedene Formen annehmen. Bereits der direkte Anruf eines Ministeriumsmitarbeiters bei einer ihm bekannten Wissenschaftlerin stellt eine Form der Wissens-Politik-Interaktion dar. Daneben haben staatliche Einrichtungen wie das Bundesamt für Naturschutz eine explizite Rolle im Beratungsprozess, teilweise gibt es feste Beratungsgremien für bestimmte Bereiche, z.B. den Sachverständigenrat für Umweltfragen oder den wissenschaftlichen Beirat zu Globalen Umweltveränderungen (WBGU). Auch wissenschaftliche Institutionen können mehr oder weniger proaktiv beraten, z.B. durch entsprechende Prozesse in wissenschaftlichen Akademien - oder auch über Plattformen wie NeFo.

Auf globaler Ebene spielen zwischenstaatliche Gremien wie der Weltklimarat IPCC und der Weltbiodiversitätsrat IPBES eine herausragende Rolle. Die Mitgliedschaft in diesen Gremien ist Nationalstaaten vorberhalten, deren Vertreter im Rahmen der Mitglieder-Vollversammlungen (Plenarsitzungen) gemeinsam die Entscheidungsgewalt ausüben. Dieser zwischenstaatliche und politisch legitimierte Character erklärt die große politische Bedeutung und öffentliche Wahrnehmung des IPCC (und zunehmend auch von IPBES, dessen politische Bedeutung und öffentliche Wahrnehmung aber aufgrund seines recht kurzen Bestehens seit 2012 noch wesentlich geringer sind). Um die Effektivität einer Wissens-Politik-Schnittstelle zu erhöhen gilt es stets, den Faktor Legitimierung mit den Faktoren Glaubwürdigkeit (z.B. durch wissenschaftliche Unabhängigkeit) und Relevanz (z.B. durch Auswahl politisch relevanter Themen) auszubalancieren.

Auf den folgenden Seiten bieten wir Ihnen eine Einführung zu

Eine ausführlichere Einführung in alle Aspekte der Schnittstellenarbeit im Bereich Biodiversität und darüber hinaus bieten außerdem die Faktenblätter des EU-Projektes SPIRAL [pdf] sowie das SPIRAL-Handbuch [pdf].