Dr. Christine Fürst

Universität Bonn

Beteiligt an den „Regionalen Assessments“, Ziel 2b, am Scopingprozess beteiligt, Lead Author Kapitel 6 für das Regionale/subregionale Assessment zu Biodiversität und Ökosystemleistungen (Europa und Zentralasien)

christine_fuerst.jpg

Christine Fuerst

Was ist Ihr fachlicher Hintergrund?

Ich bin Forstwissenschaftlerin, habe aber später angefangen mich mit sozial-ökologischen Systemen und ihren Leistungen zu beschäftigen: aus der Forschungsarbeit an der Schnittstelle zur Praxis heraus durfte ich lernen, dass es nicht genügt, nur auf der Ebene von Ökosystemen zu arbeiten, wenn Forschung auch gesellschaftlich relevant sein soll.

Was hat sie bewogen, sich an IPBES zu beteiligen?

Ich war neugierig wie ein solcher internationaler Abstimmungsprozess läuft. Oft bekommt man ja nicht wirklich mit, was außerhalb des eigenen Wirkungskreises gemacht wird. Und ich fand es unheimlich spannend an einem politikberatenden, aber wissenschaftsgetragenen Prozess teilzunehmen. Eine wesentliche Motivation für mich ist es auch weiterhin zu lernen, wie ich meine Forschungsergebnisse noch besser aufbereiten kann, damit sie genutzt werden können.

Was machen Sie bei IPBES genau?

Ich war als Experte im Scoping Process der Regional / Subregional Assessments (Deliverable 2b) in den Gruppen Europe and Central Asia (ECAS) und Africa beteiligt. Und ich hoffe, als Autor bei den eigentlichen Assessments mitwirken zu können. Der Scoping-Prozess war im Wesentlichen eine einwöchige Abstimmungssitzung mit rund 100 Wissenschaftlern, bei der es darum ging, Regionen und Schwerpunktthemen zu definieren, die dann das Rückgrat des Assessments bilden.

Wie lässt sich Ihr Engagement in IPBES mit Ihrem Arbeitsalltag verknüpfen?

Meine Forschung in Europa und Afrika dreht sich um die Frage, wie man Empfehlungen zum Umgang mit veränderter Landnutzung so entwickeln kann, dass sie belastbar sind, d.h. dass sie auch unter veränderten Bedingungen wie Klimawandel, wachsender Bevölkerung oder Technologiefortschritt noch alle wesentlichen Prozesse eines Ökosystems sicherstellen können. Denn die brauchen wir, damit sie uns Ressourcen und Leistungen bereitstellen.

Bisher war der Zeitaufwand mit dem einwöchigen Scoping-Seminar und der Durchsicht der daraus entstandenen Dokumente überschaubar. Ich habe persönlich sehr davon profitiert mit so vielen anderen Kollegen so intensiv zusammenarbeiten - daraus ergibt sich vielleicht sogar einer längerfristige Forschungskooperation.

Was raten Sie Wissenschaftlern, die sich am IPBES-Prozess beteiligen möchten?

Sich genau zu überlegen, wo die eigene Expertise liegt und wieviel Zeit man investieren kann. Ein Problem ist, dass die Beteiligung in den Industrienationen quasi "ehrenamtlich" betrieben wird und das Tagesgeschäft natürlich unverändert weiterläuft. Wenn die eigene Forschungsarbeit also nicht direkt genutzt werden kann, dann ist es ein relativ zeitaufwändiges Hobby. Außerdem ist das Bewerberumfeld sehr hochrangig, sodass die Überlegung, "es einfach mal zu versuchen", sicher nicht optimal ist.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf in IPBES?

Für mich waren alle Prozesse bislang sehr transparent und gut organisiert. Vielleicht müsste man noch ein wenig intensiver kommunizieren, dass IPBES selbst keine Forschung betreibt, sondern Forschungsergebnisse und Stakeholderwissen aggregiert, um sie für politische Empfehlungen nutzbar zu machen und ggf. Forschungsbedarfe abzuleiten.

 

Zurück zur Übersicht