[DE] Aus einer Verhandlung bloggen, ohne über Inhalte zu berichten? Gar nicht so einfach...

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Infos nur für Konferenzteilnehmer
Foto: S. Tilch / NeFo

IPBES-6 findet zwar nicht hinter geschlossenen Türen statt, aber es wird großer Wert darauf gelegt, dass aus den Verhandlungen zunächst nichts nach außen dringt. Das liegt vor allem an der Agenda, die diesmal zum größten Teil aus der Annahme von IPBES-Produkten besteht. Und dafür gelten strenge Regeln.

In den bisherigen fünf Plenarsitzungen und den Verhandlungen, die zur Gründung von IPBES geführt haben, haben die Mitarbeiter des Netzwerk-Forum zu Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) und weitere Expertinnen und Experten vor Ort regelmäßig im Blog berichtet, wie sich die Verhandlungen entwickeln und wo die Schwierigkeiten liegen. Im gestrigen Plenum hat Chair Bob Watson mehrfach darauf hingewiesen, dass aus den jetzigen Verhandlungen nichts über Inhalte und Kommentare einzelner Mitgliedsstaaten nach außen weiter gegeben werden darf, bevor die Verhandlungen nicht beendet sind. Warum ist das diesmal so?

Weil zum ersten Mal in der Geschichte von IPBES-Verhandlungen der allergrößte Teil der Verhandlungszeit der Absegnung von IPBES-Produkten gewidmet ist. Diese enthalten Schlussfolgerungen und sogenannte „Key Messages“, vor allem in den "Summaries for Policymakers" (SPM), und die müssen erst einstimmig angenommen werden, bevor sie veröffentlich werden können.

In vorigen Plenarsitzungen ging es viel mehr noch darum, was IPBES wann und wie machen will, nach welchen Regeln man Assessments erstellen will usw. Jetzt ist aber die Phase erreicht, in der IPBES liefern will. Und das soll abgestimmt und in Einigkeit passieren, ohne Wasserstandsmeldungen zwischendurch. Im Grunde ist das nicht ungewöhnlich. Das wird bei anderen Verhandlungen auch so gehandhabt. Aber wenn man, wie sonst, über Erfolge oder Knackpunkte berichten will, kommt man sich natürlich ein bisschen wie ein Korrespondent vor, der live berichtet, dass es noch nichts zu berichten gibt. Zuletzt häufig zu beobachten bei den Koalitionsverhandlungen potenzieller Bundesregierungen.

Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass in einer bislang nicht da gewesenen Intensität in vier Gruppen parallel verhandelt wird, entsprechen der vier Weltregionen, für die Assessments zu Biodiversität and Ökosystemenleistungen zur Annahme anstehen. Die Tagesordnung sieht nicht nur die üblichen Sitzungen am Vor- und Nachmittag vor. Tägliche Abendsitzungen sind fest eingeplant und die Konferenz wurde von vorn herein auf sieben Tage statt den üblichen fünf angesetzt. Natürlich müssen die Verhandlungen in allen vier Gruppen auch jeweils mit Simultanübersetzung unterlegt sein, d. h. die Übersetzertruppe ist auch so groß wie noch nie – entsprechend  auch die Kosten. Wie das aussieht, zeigen die Fotos im täglichen Newsletter des Earth Negotiations Bulletin zu IPBES-6.

Ergo: Ja, alle sind kräftig am Verhandeln und: Nein, wir dürfen nichts über die Inhalte sagen. Die anvisierte Annahme der vier regionalen Assessments ist laut IPBES-Pressebüro am kommenden Donnerstag den 22. März 15.00-17.00 Uhr kolumbianischer Zeit (also 21.00 -23.00 Uhr MEZ) und für den Landdegradierungsbericht Samstag 24. März von 10.00 – 13.00 Uhr Ortszeit (16.00 – 19.00 Uhr MEZ). IPBES stellt die Ergebnisse offiziell in zwei Pressekonferenzen vor:

Am Freitag, 23. März, 14.00 Uhr (MEZ): Vier Regionale Berichte zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen (IPBES-Bericht 2b)

Am Montag, 26. März, 15:30 Uhr (MEZ): Bericht zur globalen Landdegradierung und -wiederherstellung (IPBES-Bericht 3b)

Diese Pressekonferenzen können im Web-Stream mitverfolgt werden.