IPBES und die CBD - die Fakten liegen auf dem Tisch: Wir haben eine Biodiversitätskrise!

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SBSTTA-Plenum bei der Vorstellung der aktuellen IPBES-Berichte
Fotos: IISD/ENB | Franz Dejon

Falls bei der CBD bisher noch jemand geglaubt haben sollte, es gäbe keine Biodiversitäts-Krise, dann wurde er spätestens jetzt eines Besseren belehrt: Die Ergebnisse der Zustandsberichte des Weltbiodiversitätsrats IPBES, die gestern den SBSTTA-Delegierten vorgelegt wurden, sind da vollkommen eindeutig.

Der zweite Tag von SBSTTA-22 begann damit, dass die extra eingeflogenen Koordinatoren der IPBES-Berichte zum Zustand der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen dem Plenum der Delegierten die wichtigsten Ergebnisse der im März vorgestellten fünf Berichte vor Augen führten. Und diese sog. Key-Messages sind eindeutig: Die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Ökosystemleistungen sind weiterhin auf dem Rückzug. Zu diesem Resultat kommen alle vier regionalen Berichte, egal ob von den amerikanischen Kontinenten, von Asien, Afrika oder Europa und Zentralasien die Rede ist. Natürlich gibt es spezifische Unterschiede und in einzelnen Teilbereichen, auch kleine Erfolge (erfolgreiche Artenschutzprogramme, höhere Wasserqualität durch bessere Klärung, mehr Schutzgebiete), doch die weltweit zusammengetragenen Daten lassen keinen Zweifel am allgemeinen Abwärtstrend zu. Die IPBES-Berichte bestätigen, was schon der Global Biodiversity Outlook 4 (GBO-4) 2014 nahe legte: Mit den bisherigen Bemühungen wird keines der bis 2020 gesteckten Ziele der CBD erreicht und die Nachhaltigkeitsziele für 2030, die sich auf die Natur beziehen, ebenso wenig.

Ist das wirklich neu? Nein, eigentlich nicht. Die Wissenschaft sagt das schon lange und es gab bereits früher entsprechende globale Berichte. Der Unterschied besteht darin , dass dieses Mal die Politik selbst um die Berichte und eine umfassende Darstellung der Sachlage gebeten hat (und nicht "nur" besorgte Wissenschaftler*innen oder Naturschützer*innen Alarm geschlagen haben). Bleibt zu hoffen, dass diesmal auch eine angemessene Reaktion der Politik erfolgt. Die Berichte zeigen ja nicht nur die Datenlage auf, sie benennen auch klar die Ursachen für den Verlust der Vielfalt, z. B. den Landnutzungswandel, die nicht nachhaltige Landwirtschaft, den überproportional großen Ressourcenverbrauch, insbesondere in den Industrieländern, und die ständig wachsende Weltbevölkerung.

Und sie bleiben dabei nicht stehen: Prof. Mark Rounsevell vom Karlsruher Institut für Technologie, Koordinator des Berichts für Europa und Zentralasien, sagte gestern in aller Deutlichkeit zweierlei: Einerseits ja, die Krise ist dramatisch, aber andererseits haben wir auch Handlungsoptionen. Wir müssen sie nur ergreifen. Und es war auch ganz klar, dass das ein Umweltministerium nicht alleine gegen andere Ressorts handeln kann, sondern dass alle Politikfelder und alle Teile der Gesellschaft einen Wandel herbeiführen müssen, wenn wir den Trend stoppen wollen.

Und was macht die CBD nun damit? Jetzt, hier und heute zunächst einmal die Fakten zur Kenntnis nehmen. Doch die Diskussion darüber, wie man nach 2020, wenn die derzeitigen Ziele (unerreicht) auslaufen werden, weiter machen will, beginnt grade erst. Ein ganz wichtiger Teil der Diskussion dreht sich um das Mainstreaming, also um die Einbeziehung von Biodiversitätsaspekten in andere Politiksektoren wie Landwirtschaft, Subventionspolitik bis Verkehrsplanung und Städtebau. Nach 25 Jahren CBD ist jetzt die Chance da, aus dem Nischendasein herauszutreten und den Verlust unserer Lebensgrundlagen zu einem gesellschaftlich relevanten Thema zu machen (was eigentlich selbstverständlich sein sollte!!). Wenn das weiterhin scheitert, dann jedenfalls nicht an fehlendem Wissen ...


Die Themen und Arbeitsdokumente der SBSTTA-22 finden Sie unter https://www.cbd.int/meetings/SBSTTA-22