Digitaler Sequenz Information - Keine Einigung in Sicht

Dass die Beratungen um Digitale Sequenz Information (DSI) bei der SBSTTA 22 schwierig werden würden war klar (siehe Blog vom ersten Konferenztag), aber dass überhaupt keine Annäherung stattfinden würde, ist doch noch weniger Ergebnis als erwartet.

Es ist ja nicht so, dass man sich keine Zeit genommen hätte, alle möglichen Aspekte zu besprechen. Die Kontaktgruppe zu DSI hat so oft und lange getagt, wie keine andere hier bei SBSTTA 22. Als sich abzeichnete, dass es noch schwieriger würde, als befürchtet, wurde die nächste Verhandlungsstufe gezündet: Friends of the chair. Da werden nur noch die Hauptverhandler mit den am weitesten auseinanderliegenden Ansichten ins Hinterzimmer gebeten, und wenn die einen Kompromiss finden, dann gehört es sich, den nicht wieder zu öffnen, sondern anzunehmen.

Das hat aber diesmal nicht geklappt - keine Einigung innerhalb der "friends". Stattdessen haben wir nun ein Vorschlagspapier, dessen Empfehlung an COP 14 komplett in eckigen Klammern steht, also nicht abgestimmt ist. Was nichts anderes heißt, als dass die Debatte bei COP 14 wieder von vorn losgeht. Einer der Co-Chairs der Kontaktgruppe meinte, immerhin würde man jetzt die Positionen der einzelnen Staaten besser kennen. Magerer Fortschritt. Aber natürlich im Sinne derer, die am Staus Quo nichts ändern wollen.

Entsprechend enttäuscht waren die Kommentare der afrikanischen und südamerikanischen Staaten in der Abschlussdebatte am Samstag, die den Industrieländer vorwarfen, die CBD insgesamt zu gefährden. Also, da muss bei COP 14 mehr Kompromissbereitschaft von allen Seiten eingebracht werden, wenn man sich nicht weiter gegenseitig blockieren will.

Hintergrund:

DSI ist seit den letzten beiden COPs ein großes Thema. Eigentlich geht es dabei um den gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen. Die kommen in der Regel aus biodiversitätsreichen Ländern, genutzt und vermarktet werden sie aber in Industrieländern. Das wollen sich die ersteren ausgleichen lassen. Was noch bis vor kurzem an physische Gewebeproben und DNS gebunden über Landesgrenzen ausgeführt werden musste, kann inzwischen als digitale Sequenz einfach ins Internet gestellt werden, beispielsweise und besonders häufig für Forschungszwecke. Eine Beschränkung würde auch die Grundlagenforschung behindern, befürchtet bspw. die EU. Wenn DSi nicht unter das Nagoyaprotokoll fielen, wäre der gesamte ABS-Mechanismus obsolet, sagen die Entwicklungsländer.

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