Wird IPBES die CBD befruchten? – Unerwartet geteilte Stimmungslage beim IPBES Bestäuber-Assessment

Vor knapp zwei Monaten war es endlich soweit: IPBES konnte die Ergebnisse eines seiner ersten Assessment-Prozesse veröffentlichen. Für das Assessment zu Bestäubung und Bestäubern im Bereich Nahrungsmittelproduktion liegen jetzt ein 800 Seiten starker technischer Bericht sowie eine Zusammenfassung für Entscheidungsträger vor. Letztere ist Ende Februar bei der vierten Vollversammlung von IPBES in Kuala Lumpur (IPBES-4) diskutiert und verabschiedet worden. 

Zu aller Zufriedenheit. Denn das gegenüber dem technischen Bericht sehr kurze Papier (rund 30 Seiten – mit Blick auf die nicht vorhandene Zeit, die Entscheidungsträger in der Regel haben, sehr angenehm) ist klar geschrieben und aktuell, und schafft es, weitreichend genug zu sein, um alle relevanten Aspekte (zumindest) zu beleuchten und dabei gleichzeitig nicht an konkreten Inhalten zu verlieren.

So zumindest sahen es die Vertreter der Staaten, die bei IPBES-4 vor Ort waren. Zufrieden schien zunächst auch die Mehrheit der Vertragsstaaten der CBD, die hier bei SBSTTA-20 versammelt sind. Lob für das Dokument war reichlich. Gerade für seine Stringenz und die Klarheit der Politikoptionen, die es formuliert. Die müsse man jetzt kritisch prüfen und dann zeitnah auf nationaler Ebene umsetzen, wurde gegenseitig ermahnt und appelliert. Im Fokus dabei die übertriebene Ausbringung von Pestiziden. Das IPBES Assessment sei ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Erreichung der Ziele der CBD. 

Doch plötzlich wurden kritische Stimmen laut, die die regionale Vollständigkeit des Assessments anzweifeln. Während der globale Norden gut erfasst sei, bestünden gravierende Datenlücken für den globalen Süden, besonders für den afrikanischen Kontinent. Man könne auf dieser Grundlage – und auch, weil das Dokument im Rahmen von SBSTTA nicht ausreichend diskutiert worden sei – nur schwer zustimmen, dass das Dokument unter der CBD entsprechende Berücksichtigung erhalten solle. Stattdessen solle IPBES zunächst diese Lücken schließen und entsprechend aktualisiert werden. 

Das ist zugegebenermaßen schwer verständlich, denn der Großteil dieser Staaten hatte das Dokument bei seiner Verabschiedung durch IPBES-4 doch hoch gelobt. Und gleichzeitig wurde mit Bedauern festgestellt, dass IPBES derzeit die nötigen finanziellen Mittel fehlen, um die bereits geplanten Assessments durchzuführen. Jetzt aber soll sogar das bestehende Papier wieder aufgemacht werden. Konterkariert das nicht die Aussage, das IPBES-Assessment sei  ein wichtiger Schritt in Richtung Zielerreichung der CBD?

Unverständlich bleibt auch die Forderung nach einer adäquaten Diskussion des Papiers im Rahmen von SBSTTA. – Wann, wenn nicht auf eben dieser Sitzung hier, sollte das Papier denn diskutiert werden? Schließlich ist SBSTTA der wissenschaftliche Beirat der Konvention. Hier wäre also Zeit und Ort dafür. Die Kritik an SBSTTA, das Gremium hätte in den letzten Jahren vermehrt politischen Charakter angenommen und würde nur noch wenig wissenschaftlich arbeiten, scheint in diesem Fall nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein.

Wir können nur hoffen, dass die Entscheidung zu diesem Thema am Ende dieser Verhandlungswoche positiver ausfällt als dieser Blog erwarten lässt. 

Lesen Sie zum Thema auch unser Fact Sheet, das wir für Sie zusammengestellt haben: .