Synthetische Biologie - der dickste Brocken bei SBSTTA 20

Der Umgang mit der sich rasend schnell weiter entwickelnden synthetischen Biologie ist das bestimmende Thema bei SBSTTA 20 und bislang zwei Nachtsitzungen haben nicht ausgereicht, um Kompromisse zu allen Punkten zu finden. Der Auftrag an die entsprechende Kontaktgruppe war aber, einen abgestimmten Text zu entwickeln. Da stehen im Lauf der nächsten zwei Tage weitere Sitzungen an.

Seit Jahren tut sich die CBD im dem Thema schwer, und das hat mehrere Gründe: Zum einen schreitet die Forschung im Bereich der zu Grunde liegenden Gentechnik so schnell voran, dass Möglichkeiten und Risiken, die vor drei Jahren noch theoretisch diskutiert wurden, mittlerweile Realität sind und neue technische Verfahren wie die "Genschere" CRISPR-CAS9 vor der kommerziellen Anwendung stehen. Zum anderen ist die Haltung der Staaten sehr unterschiedlich, je nachdem, ob sie zur Forschungsfront gehören oder vor allem die Auswirkungen einer Technologie fürchten, an deren Entwicklung sie selbst gar nicht beteiligt sind.

Zum Dritten ist die Befassung mit dem Thema auch formal nicht ganz einfach: Eigentlich hat die CBD einen Mechanismus, um sich mit neu aufkommenden Themen zu befassen. Ein Kriterium dafür ist, dass es klare Anzeichen dafür geben muss, dass ein neues Thema die Belange der CBD, also Schutz und nachhaltige Nutzung oder ABS, betreffen muss. Bei den letzten Vertragsstaatenkonferenzen vertraten manche Staaten aber die Auffassung, dazu läge bislang zu wenig Information vor, man könne das Thema als formal nicht aufnehmen. Andere sagten, wenn es möglich ist, neue Arten künstlich zu schaffen oder bestimmte Arten gezielt so zu manipulieren, dass die aussterben, trifft das den Kern den CBD wie kaum ein anderes Thema. Diese Positionen werden hier immer noch vergleichsweise unversöhnlich vertreten, auch wenn eine Expertengruppe beauftragt worden war, Informationen zusammenzustellen und eine Definition zu finden, was im Rahmen der CBD überhaupt unter Synthetischer Biologie verstanden werden soll. Auch diese Definition findet klare Befürworter und strikte Ablehnung. 

Das Spannungsfeld reicht also von der Forderung nach einem Moratorium, solange nicht klar ist, wie man die Risiken überhaupt abschätzen kann, über den Ruf nach Fortbildung zu solchen Risikoabschätzungen, bis zu der Auffassung, dass synthetische Biologie Möglichkeiten zur Lösung von dringenden Problemen bereit hält, die man sich auf keinen Fall verbauen sollte. Bisher gilt seit COP 12, dass man zumindest das Vorsorgeprinzip anwenden sollte, solange man nicht mehr über Chancen und Risiken weiß.

Das Thema wird die CBD weiterhin laufend beschäftigen und ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwer es für einen auf Kompromissfindung angelegten UN-Prozess ist, sich auf schnelle neue Entwicklungen einzustellen und angemessen zu reagieren. Und nebenbei bemerkt: Es ist schon merkwürdig zu sehen, wie Staaten hier (nicht ohne eine gewisse Logik) fordern, doch den Weltbiodiversitätsrat IPBES mit dem Thema zu betrauen, wenn genau dieselben Staaten (oft dieselben Delegierten) vor wenigen Wochen beim IPBES-Plenum beschlossen haben, bereits vorbereitete Assessments gar nicht erst zu beginnen, weil nicht genug Geld im IPBES-Topf ist, um das beschlossene Arbeitsprogramm abzuarbeiten. Was soll IPBES dann mit neuen Anforderungen anfangen, außer sie hintan zu stellen und auf Geldgeber zu warten?