Synergien stärken: Biodiversität, Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung

Das Thema stand zuletzt bei SBSTTA-18 auf der Agenda: das Zusammenspiel von Biodiversität und Klimawandel und welche Rolle beide für einander spielen (siehe Blog SBSTTA-18). Dabei wird die Debatte nicht mehr (ausschließlich) naturwissenschaftlich geführt. Dass intakte, stabile Ökosysteme negative Auswirkungen des Klimawandels abmildern können und eine Grundlage für die Anpassung an zukünftig zu erwartende Umweltveränderungen darstellen, ist mittlerweile wissenschaftlicher Konsens. Die Datenlage hierzu ist eindeutig.

Funktionierende Ökosysteme, die externe Schwankungen abpuffern können und sich stetig an sie anpassen, erhöhen gleichzeitig auch die Resilienz von lokalen Gemeinschaften, die in und von ihnen leben. Das schließt neben Klimaregulation vor allem auch die Bereitstellung von Trinkwasser und Nahrungsmittelproduktion, und zahlreichen weiteren, z.T. Einkommen generierenden Ökosystemleistungen ein, berührt also grundlegende Versorgungsmaßnahmen und gleichzeitig die Armutsbekämpfung. Unter der CBD spricht man hierbei von ecosystem-based adaptation to climate change oder kurz EBA. 

Biodiversität spielt daher eine immer größer werdende Rolle auch in einer Reihe anderer globaler Konventionen und Prozesse. Darunter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC – United Nations Framework Convention on Climate Change). Das im Dezember 2015 in Paris verabschiedete Pariser Abkommen (Paris Climate Agreement) adressiert in Artikel 5 explizit Ökosysteme als wichtige Kohlenstoffsenken und appelliert in Artikel 7 an die Staaten, die Resilienz von sozio-ökonomischen und ökologischen Systemen zu erhöhen. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den bisherigen Vereinbarungen der Klima-COP. Auch das unter dem Kyoto-Protokoll verabschiedete Klimainstrument REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) berücksichtigt mittlerweile sog. biodiversity safeguards, d.h. dass Maßnahmen, die im Rahmen des Klima-Protokolls umgesetzt werden, nicht zu einer Verminderung von Biodiversität und ihrer Leistungen führen dürfen. 

EBA wird auch als maßgebliche Strategie zur Erreichung der Ziele der 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung (2030 Agenda for Sustainable Development) gesehen (Ziele 11, 13, 14 und 15). Ebenso für die Umsetzung des von den Vereinten Nationen in 2015 verabschiedeten Rahmenwerks zur Verminderung des Katastrophenrisikos (Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015-2030). 

Nun sollen hier auch politisch Synergien geschaffen und, wo bereits vorhanden, weiter gestärkt, so heute mehrheitlich SBSTTA-20. Das ist durchaus interessant, lag doch die Meinung vor zwei Jahren hier noch deutlich auseinander. Damaliger Streitpunkt: ob die CBD überhaupt das Mandat habe, sich mit Klimathemen zu beschäftigen. Das scheint nun (fast) beigelegt. Jetzt solle man sich eher um die gemeinschaftliche Umsetzung kümmern, so die Mehrheit. 

Das Schlagwort in der Debatte lautet hier EBA-DRR (ecosystem-based approaches to climate change adaptation and disaster risk reduction). Das CBD Sekretariat hat hierzu einen Synthesereport veröffentlicht, der praktische Fallbeispiele auf globaler Ebene auswertet. In der heutigen Sitzung ging es eher darum, noch einmal deutlich zu machen, wo bestimmte nationale Schwerpunkte bei der Anwendungen von EBA-DRR liegen könnten, einerseits hinsichtlich der adressierten Ökosysteme (u.a. Wälder, Küsten, Trockengebiete, Savannen, Moore), andererseits hinsichtlich der erwünschten Nutzen, die aus der Erhaltung oder Wiederherstellung von Zielökosystemen gezogen werden sollen. Für wen sollen welche Ökosystemleistungen bereitgestellt werden? Geht es eher um die Speicherung von Kohlenstoff, um die nationalen Emissionen zu verringern, oder sollen die Maßnahmen zur Nahrungssicherung beitragen? Verschiedene Länder sehen hier – je nach ihrer naturräumlichen Ausstattung und nationalen Zielen – deutlich verschiedene Schwerpunkte. 

Für alle scheint allerdings eine grundlegende Frage weiter offen zu sein: Wie soll man das genau entscheiden? Trotz der Einführung des Ökosystemleistungsansatzes (Ecosystem Services Approach) und der Veröffentlichung der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) sowie zahlreicher anderer Initiativen in den letzten Jahre scheint der Bedarf nach Handlungswissen zur Bewertung von Natur im Rahmen von Landnutzungsentscheidungen weiterhin sehr groß. Zahlreiche Staaten wünschen sich Anleitung für zugehörige Kosten-Nutzen-Analysen und anderen Methoden, darunter auch Indikatoren zur Messung der Effekte der umgesetzten Maßnahmen. Notwendig sei es auch, die Einbindung von indigenem und lokalem Wissen für EBA-DRR zu verbessern. Und natürlich das Capacity Building. Tatsächlich scheint hier noch großer Nachholebedarf, nicht nur in den sich entwickelnden Staaten.