Synthetische Biologie: Mehr als nur genetisch veränderte Organismen?

Dr. Katja Heubach, NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ

Beim Thema genetisch modifizierte Organismen (GMOs) stellen sich gerade uns Deutschen die Nackenhaare auf: Die Mehrheit ist gegen die Einführung von GMOs und den Techniken zu ihrer Produktion. Demofelder mit genetisch verändertem Mais sind auf unseren Äckern schnell wieder verschwunden.

Nun scheint der nächste Streich der Biotechnologie-Industrie im Anmarsch: Neue genetische und zellbiologische Verfahren ermöglichen einen Transfer von deutlich größeren DNA-Fragmenten in artfremde Wirtsorganismen. Die werden gebraucht, um bestimmte Proteine und andere biologische Produkte zu erzeugen, die die Industrie in großen Mengen für Nahrungs- und Arzneimitteln, Aromen, als Gummiersatz oder auch als Treibstoff verwendet. Synthetisch modifizierte Organismen (SMOs) versprechen ein Milliardengeschäft – und stehen im Verdacht, gleichzeitig die Lebensgrundlage von Millionen tropischer Kleinbauern zu bedrohen, die z.B. Kokosöl, Vanille, Safran, Stevia und Gummi produzieren.

Synthetische Biologie – wenngleich im Detail noch weitestgehend unklar ist, was der wesentliche Unterschied zwischen den „herkömmlichen“ genetischen Methoden und denen der Synthetischen Biologie ist – ist folglich ein weltweit in Wissenschaft und Politik heiß diskutiertes Thema. Und auch SBSTTA ist hier keine Ausnahme: Fast täglich widmet sich ein Side Event den Möglichkeiten und Risiken – vor allem aber den Risiken – der neuen Techniken und die Auslagetische in den Fluren sind gefüllt von Informationspapieren verschiedener Nicht-Regierungsorganisationen.

Die Debatte umfasst auch mögliche Risiken für die Biodiversität und die menschliche Gesundheit, die durch die Entlassung der so veränderten Organismen in die Umwelt existieren können. Das bezieht sich vor allem darauf, dass die Mehrheit der Wirtsorganismen Mirkoorganismen sind, die bekanntermaßen eine hohe Lebens- und Anpassungsfähigkeit besitzen. Auch die Fragen, ob die bestehende Gesetzgebung für GMOs bereits SMOs einfasst sowie jene, ob durch die Möglichkeit, umfassende DNA-Sequenzen digital verbreiten zu können, eine neue Ära der Biopiraterie eingeläutet wird, stehen auf der Agenda ganz oben. Schwierigkeiten scheint es hier vor allem im Hinblick auf die Reichweite des Nagoya-Protokolls zu geben, da unklar ist, ob die Komponenten, Organismen und Produkte der Synthetischen Biologie noch als ‚genetische Ressourcen‘ unter der CBD gelten.

SBSTTA behandelt die Synthetische Biologie als neues Thema unter der CBD. Bereits bei der COP-11 im indischen Hyderabad haben die Vertragsstaaten beschlossen, im Hinblick auf die wissenschaftlichen Unsicherheiten bei und biologischen Risiken von SMOs unbedingt das Vorsorgeprinzip anzuwenden (Decision XI/11).

Bei der heutigen Besprechung schien den Delegationen insbesondere drei Dinge zu fehlen: eine klare Definition von Synthetischer Biologie und ihrer Techniken, eine robuste Risikoanalyse sowie ein umfassendes und profundes gesetzliches Regelwerk für SMOs.

Licht ins Dunkel soll die für Mittwochabend angesetzte Kontaktgruppe bringen, die ab 19.30 Uhr tagen wird. Wir hoffen, das Licht wird ausreichend hell scheinen, um diese Debatte rasch voranzubringen – die nächste COP steht ja bereits in den Startlöchern.