SBSTTA und IPBES - zwei Wissenschaftsgremien und ihre mögliche Zusammenarbeit

Dr. Axel Paulsch, Institut für Biodiversität (ibn)

Das wissenschaftlich-technische Nebenorgan der CBD (das ist die offizielle Bezeichnung der SBSTTA) sieht sich dem vergleichsweise neu gegründeten IPBES gegenüber und versucht nun, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten und entsprechende Prozeduren festzulegen.

Die Grundfrage, die schon bei der letzten COP in Hyderabad (2012) kontrovers diskutiert wurde, ist, ob SBSTTA direkt im Namen der CBD mit IPBES kommunizieren soll, oder ob der Kontakt jeweils über eine COP der CBD zu gehen hat. Dabei geht es vor allem um Themenvorschläge (sog. requests), zu denen die CBD gerne Zuarbeit von IPBES hätte. In der Entwicklung des ersten Arbeitsprogramms von IPBES hatte COP 11 entsprechende Themenvorschläge an IPBES übermittelt und SBSTTA 17 ein Ausnahmemandat übertragen, zu diesen Themen noch wissenschaftlich-technische Informationen nachzureichen. Diese Ausnahmeregelung wurde damit begründet, dass nur so noch Rechtzeitigkeit für die Einarbeitung in das Arbeitsprogramm von IPBES gegeben war. Insbesondere China hatte darauf bestanden, dass im Regelfall immer eine COP das letzte Wort haben muss, bevor ein Thema von der CBD an IPBES herangetragen wird.

Im Entwurf der Empfehlung, der gerade in den in-session-documents verfügbar gemacht wurde und der in den nächsten Tagen weiter diskutiert werden wird, ist ein zweigleisiges Verfahren als Kompromiss vorgeschlagen: im Regelfall soll SBSTTA Themen vorschlagen, aber COP entscheidet, welche wirklich an IPBES weiter geleitet werden; in dringenden Fällen aber soll es möglich sein, dass SBSTTA ein Thema direkt an IPBES weiter gibt. "Dringend" heißt in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklung eines Problems so schnell voranschreitet, dass keine COP abgewartet werden sollte und dass der SBSTTA nicht genügend Information selbst zur Verfügung steht, um die COP zu beraten und deshalb die Hilfe von IPBES eingeholt werden sollte. Es bleibt abzuwarten, ob China sich diesem von europäischen Ländern vorgeschlagenen Kompromiss anschließt.

Weniger strittig ist, wie SBSTTA mit den Produkten umgehen will, die von IPBES kommen: man will Zwischenversionen aufgreifen und zur Kommentierung an entsprechende nationale Kontaktstellen weiter reichen und fertige Produkte daraufhin untersuchen, wie sie für die Arbeit der CBD nutzbar gemacht werden können. Das macht natürlich Sinn: wenn die CBD bei IPBES ein Assessment "bestellt", sollte man das Ergebnis auch weitestmöglich nutzen. Der erste Testfall ist das für 2015 angekündigte Assessment zu Bestäubern und dann die regionalen Assessments zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in 2017, die auf explizite Anfragen der CBD zurück gehen.

Diesen theoretischen Überlegungen zur guten Zusammenarbeit gegenüber steht dann die enttäuschende Tatsache, dass der SBSTTA-Vorsitzende, dem extra ein Beobachterstatus im Wissenschaftsgremium von IPBES (dem Multidisciplinary Expert Panel, MEP) eingeräumt wurde, an den MEP-Treffen bislang nicht teilgenommen hat, weil man ihm von Seiten der CBD kein entsprechendes Reisekosten-Budget zugewiesen hat. Man sollte meinen, dass solche Verwaltungshürden zu überwinden sein sollten.