Global Biodiversity Outlook 4 - eine traurige Zwischenbilanz auf dem Weg zu den 2020-Biodiversitätszielen

Dr. Axel Paulsch, Institut für Biodiversität (ibn)

Der Global Biodiversity Outlook ist eines der wichtigsten Produkte der CBD, das an die Öffentlichkeit gerichtet ist. Der Bericht gibt einen Überblick über die Situation der biologischen Vielfalt und den Erfolg der bisherigen Bemühungen, sie zu schützen. Die vierte Auflage (GBO 4) ist eine eher traurige Bilanz.

Die dritte Auflage des GBO hatte 2010 deutlich dargelegt, dass das 2010-Ziel der CBD, den Verlust der biologischen Vielfalt wesentlich zu verringern, deutlich verfehlt wurde. Die vierte Auflage soll nun prüfen, wie weit die Staatengemeinschaft in der Erreichung der 2010 beschlossenen Ziele bis 2020 nach der Halbzeit gekommen ist. Der Bericht wird erst zur COP 12 im Oktober 2014 offiziell erscheinen, aber eine Vorabversion wurde hier zu SBSTTA 18 vorgestellt und auch wenn noch einige Graphiken der Überarbeitung bedürfen, ist die Botschaft so traurig wie eindeutig: In Bezug auf nahezu alle 20 Ziele ist bestenfalls zu vermelden, dass es zwar Anstrengungen in die richtige Richtung gibt, diese aber bei weitem nicht ausreichen werden, die angestrebten Ziele zu erreichen. In manchen Fällen ist die Botschaft noch schlechter, z.B. ist klar, dass das Ziel, den Druck auf Korallenriffe bis 2015 zu vermindern, nicht erreicht werden wird, im Gegenteil, der Druck wächst weiter (da die Meeresversauerung und-erwärmung ungebremst fortschreitet). Auch in Bezug auf die Abschaffung von Subventionen, die negative Auswirkungen auf die Vielfalt haben, ist kein Fortschritt zu vermelden.

Positive Ausnahmen unter den 20 Zielen sind eigentlich nur diejenigen, die durch prozedurale Maßnahmen zu erreichen sind (z.B. die Ratifizierung des Nagoya-Protokolls oder die Ausweisung von Schutzgebieten). Bei allen Zielen, die eine Umstellung von Gewohnheiten (z.B. Konsum, Handel, land- und forstwirtschaftliche Nutzung, Fischerei) nötig machen würden, ist kein positiver Trend zu erkennen. Nun kann man natürlich argumentieren, dass eine Maßnahme nicht sofort zu einem Hochschnellen von Artenzahlen führt oder eine gefährdete Art von heute auf morgen rettet, aber es ist eben auch kaum ein Beleg zu sehen, dass Weichen in die entsprechende Richtung gestellt werden, sodass bis 2020 Effekte zu erwarten wären.

Eine vom CBD-Sekretariat erstellte Liste von Maßnahmen, die zur Umsetzung der Ziele ergriffen werden müssten, wurde hier bei SBSTTA "aus Zeitmangel" nicht weiter behandelt. Ist es zynisch, wenn man unterstellt, dass manch einer gar nicht so genau gesagt bekommen möchte, was dringend zu tun wäre?

Jedenfalls wird GBO 4 ein weiteres Alarmzeichen werden, wie es um die biologische Vielfalt steht. Wie viel Widerhall dieser Weckruf finden wird, bleibt abzuwarten. Es wäre nicht der erste seiner Art, der weitgehend ungehört verhallt.