Der lange Weg nach Kunming - Ein neuer globaler Plan soll die biologische Vielfalt schützen

steinwald_kunming.jpg

Steinwald in Kunming, China
Quelle: https://pixabay.com/de/photos/china-kunming-steinwald-steine-694640/

In Lateinamerika brennt dieser Tage der Regenwald! In einer langen Reihe von Hiobsbotschaften, ist diese nur die Jüngste – denn es ist schon lange bekannt, dass der fortschreitende Verlust der biologischen Vielfalt ein dramatisches Ausmaß angenommen hat. Intakte Ökosysteme werden weltweit immer seltener, auch in Europa. Die Gründe sind bekannt: intensive Nutzung von Flächen und der Meere, Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, Klimawandel, Verschmutzung jedweder Art sowie die invasive Ausbreitung gebietsfremder Arten. Verantwortlich für diese „Treiber für den Biodiversitätsverlust“ ist in den allermeisten Fällen der Mensch – und seine Art und Weise zu produzieren und konsumieren.

Im Mai 2019 hat das IPBES Global Assesment den erschreckend großen, weltweiten Biodiversitätsverlust und die  Gründe dafür aufgezeigt (IPBES Global Assessment – Summary for Policy Makers). Damit verbunden wurde auch ein globaler Plan zur Eindämmung dieses Verlusts vorgelegt. Die wesentlichen Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen des IPBES sind grundsätzlich nicht neu. Sie sind nur die jüngsten ihrer Art. Bereits seit 1992 gibt es mit der UN Konventionen über die biologische Vielfalt (CBD) und ihren Schwesterkonventionen zu Klimawandel (UNFCCC) und Landverödung (UNCCD). Und es gibt viele weitere, internationale Abkommen, mit denen sich die meisten Länder dazu verpflichtet haben, ihren negativen Einfluss auf die Natur und das  Klima zu verringern. Im Kontext der CBD haben sich die Vertragsstaaten zuletzt im Jahr 2010 bei einer Konferenz in der japanischen Präfektur Aichi auf den „Strategischen Plan zum Schutz und zur Nachhaltigen Nutzen der Biodiversität“ geeinigt. Bis zum Jahr 2020 wollte man 20 Biodiversitätsziele erreichen, unter anderem sollte der Wert der Biodiversität in allen relevanten Entscheidungen berücksichtigt, Nahrungsmittel nachhaltiger produziert, der Verlust natürlicher Lebensräume mindestens halbiert sowie 17% der Landfläche und 10% Küsten- und Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden. Das IPBES Global Assessment stellte fest, dass die meisten Ziele nicht erreicht werden. Eine Studie des Instituts für Biodiversität Netzwerks e.V. (ibn) hatte die Aichi-Ziele analysiert und gezeigt, dass die meisten immer noch relevant sind, jedoch teils zu ungenau formuliert wurden und oftmals auch klare Indikatoren fehlten. Auch die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Prozessen, wie zum Beispiel bei Maßnahmen zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes oder bei der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele könne und sollte verbessert werden. Aber vor allem fehle es an der nationalen Umsetzung (IBN Studie zu den Aichi Zielen).

Bei der letzten Vertragsstaatenkonferenz der CBD im ägyptischen Sharm El-Sheikh im Dezember 2018 wurde beschlossen einen neuen Anlauf zu nehmen. Der internationalen Biodiversitätspolitik sollte ein neuer Rahmen gegeben werden. In einem umfassenden und partizipativen Prozess sollten bis zur nächsten CBD Konferenz im Oktober 2020 in Kunming, China ambitionierte, aber auch realistische Ziele und dazugehörige Umsetzungsinstrumente und Strategien entwickelt werden (CBD Entscheidung 14/34). Unter dem Arbeitstitel „Post-2020 Global Biodiversity Framework“ fanden seitdem regionale Verhandlungen in allen UN-Regionen sowie einige thematische Workshops und Konferenzen statt. Zudem waren Vertragsstaaten und Stakeholder wie Nichtregierungsorganisation oder wissenschaftliche Institutionen aufgerufen, dem CBD Sekretariat ihre Ideen zur Struktur und zum Inhalt des „Post-2020 Global Biodiversity Framework“ zu zuschicken. Über 150 solcher „Submission“ kamen bisher zusammen (https://www.cbd.int/conferences/post2020/submissions).Eine öffentliche Arbeitsgruppe (Open-Ended Intersessional Working Group - OEWG) wurde einberufen, um bis Kunming 2020 die weiteren Schritte, die Struktur und einzelnen Elemente dieses neuen globalen Biodiversitätsrahmens zu diskutieren. Die Arbeitsgruppe wird von den beiden Ko-Vorsitzenden Francis Ogwal aus Uganda und Basile van Havre aus Kanada geleitet und ist für alle Vertrags- wie Beobachterstaaten offen. Auch Vertreter*innen von Stakeholderorganisationen konnten sich registrieren.

Das erste von bisher drei geplanten Treffen der öffentlichen Arbeitsgruppe (OEWG) zum Post-2020-Global-Biodiversity-Framework findet vom 27. bis zum 30. August in Nairobi, Kenia statt.

Auf der Agenda stehen vor allen zwei Fragen:

  • Wie soll der weitere Prozess zur Entwicklung des Post-2020 Global Biodiversity Framework organisiert werden?

  • Welche Struktur und welche Elemente soll der Post-2020 Global Biodiversity Framework haben?

Zu beiden Fragen haben die Co-Vorsitzenden der OEWG auf der Grundlage der bisher eingegangen Ideen Diskussionsvorschläge vorgelegt, die nun in den nächsten Tagen eingehend debattiert werden.

 

Dieser Blog soll die Diskussionen der OEWG, wie auch andere Veranstaltungen mit Bezug zum Post-2020 Global Biodiversity-Framework bis Kunming 2020 begleiten und Einblicke in den aktuellen Stand der Debatte bieten.

Alle Dokumente und Termine zum Post-2020 Prozess werden auf folgender Webseite der CBD gesammelt:

https://www.cbd.int/conferences/post2020